MITSUYO MAEDARekonstruktion Graf Koma Quelle: Kampfkunst International 11/06 Nach 13 Jahren Studium und Forschung, publizierte der brasilianische Judoka Rildo Heros de Medeiros sein erstes Buch, mit explosivem und erkenntnisreichem Inhalt über die Geschichte des Japaners, der Carlos Gracie das Jiu-Jitsu beibrachte. ![]() Trotz seiner grossen Bedeutung für das Brasilianische Jiu-Jitsu und dem Vale Tudo, wurde die Geschichte von Mitsuyo Maeda auch bekannt als Graf Koma- bisher nie ins Detail und mit der Ernsthaftigkeit untersucht, welche dieser Mann, der Carlos und Helio Gracie das Jiu-Jitsu unterrichtete, verdient. Nur durch die Entwicklung seiner Technik war es möglich, das Jiu-Jitsu und das MMA in aller Welt zu verbreiten. Wir wissen das Graf Koma ein Champion des JJ war, 1917 nach Belem kam, in einer Diplomatischen Mission, mit Blick auf die enorme Japanische Kolonie im Staat Paranà. Dort lernte er Gastào, Carlos Gracie kennen und sie wurden grosse Freunde. Diese tiefe Freundschaft liess Maeda dem Sohn von Gastào, Carlos Gracie, die Geheimnisse der Kunst des JJ beibringen, unter der Voraussetzung, dass er diese nur seinen Familienangehörigen zeigen dürfe, denn wenn ein Japaner die Geheimnisse des JJ den Westlern zeigen würde, wäre dies in seinem Heimatland ein Verbrechen. Diese Informationen wurden von Meister Carlos Gracie in seinem letzten Interwiev bestätigt, veröffentlicht in der Zeitschrift TATAME, vom November 1994. Auch wenn es viele Stellen gibt die zweifelhaft sind und oft Unstimmigkeiten existieren, von Reportern und japanischen Historikern in Frage gestellt, so ist die hier vorliegende Version doch die wahrscheinlichste, zumindest in der Welt des JJ und des MMA. „Graf Koma ist einer der wichtigsten Personen in der Welt der Kampfkünste. Es kann nicht sein, dass seine Geschichte so wenig bekannt ist“, brüllte der Judoka vom Amazonas, Rildo Heros de Medeiros (33 Jahre) heraus, und so befasst er sich seit 13 Jahren mit dem Studium des Lebens von Graf Koma. Das Ergebnis präsentiert er in seinem Buch „Graf Koma- der Mythos des Jiu-Jitsu“, das Rildo diesen November herausgeben möchte zum 55. Todestag des Japaners. Rildo und Koma Rildos Interesse für Koma begann 1993 bei einem Judowettkampf, in Porto Alegre, als der Amazonier den japanischen Meister Makoto Inokuma, 6. Dan, kennenlernte. ?r dachte, Koma wäre über Manaus gekommen, bevor er sich 1917 in Belem niederliess, und er bat mich um Hilfe, die Sprache in alten Zeitungen zu überprüfen“, erklärt der Judoka, der bereits bei den ersten Besuchen in der öffentlichen Bibliothek vom Amazonas, ein Register in der Zeitung „O Tempo“ vom 19 November 1915, dass Koma und seine Mannschaft in Manaus (Nordbrasilien) angekommen waren. Laut der Veröffentlichung „ kam der Japaner mit seiner Mannschaft an, machte mit seinen Reden und Darbietungen ums Kämpfen aus sich aufmerksam, im Theater Polytheama, in der offenen zweirädrigen Kutsche und in asiatischen Kleidern“. Nachdem er festgestellt hatte, dass Koma in Manaus gewesen war, erschien es Rildo sehr seltsam, dass der Japaner in diplomatischer Mission in einer offenen Kutsche mit öffentlichen Darbietungen anhand Kampfdemonstrationen auf sich aufmerksam machte. „Ab jenem Tag besuchte ich die Bibliothek regelmässig, suchte nach Zeitungen und Büchern welche mir seine wahre Geschichte verraten konnten“, sagte Rildo, der nicht lange brauchte, um eine weitere wichtige Entdeckung zu machen: „Ganz im Gegensatz was man bisher dachte, kam Graf Koma über Porto Alegre (Südbrasilien) nach Brasilien, mit vier weiteren Schülern: Satake, Lacu, Okura und Schimitsu. ![]() Er ging in den Norden und machte Kämpfe und Darbietungen in verschiedenen Staaten, bis er nach Manaus kam“, erläutert der Forscher, und erklärt die Art der Herausforderungen. „Laut einigen Zeitungen machten die Japaner Kämpfe mit echtem Wiederstand. Sie forderten jede Person heraus, egal welcher Modalität (Boxen, Capoeira, Freistilringen). Die Regeln erlaubten Schläge mit der Faust, aber nicht ins Gesicht. So weit ich es ersehen konnte, dauerten die wenigsten Kämpfe mehr als eine Minute, denn sofort wurde gefegt und meist mit Armhebel abgeschlossen, was seine Stärke zu sein schien“, erklärt Rildo. Auf den Spuren von Maeda entdeckte der Judoka weitere Personen, die sich eben so wie er den Kopf über das Leben von Koma zerbrachen. Und so tauschte man sich aus, mit Gotta Tsutsumi (Belem/Brasilien), Noryio Koiyama (Tokyo/Japan), Carlos Loddo (Kanada), Stanley Virgilio (Campinas/Brasilien), und so verstand der Mann vom Amazonas die Geschichte des Mannes, der das Jiu-Jitsu nach Brasilien brachte, immer besser. Mit jeder weiteren Entdeckung nahm die Neugierde von Rildo zu, bis er seine Suche auf das Jahr 1905 ausweitete, als, laut einigen Büchern, Maeda Japan verliess. „Ich übersetzte einige Texte aus dem Japanischen und hatte Unterhaltungen mit anderen Studenten und Meistern der Materie. Alles deutet darauf hin, dass Maeda das Jiu-Jitsu des Kampfes verbreiten wollte, wozu er Vorführungen gab und Herausforderungen aussprach, und sein Meister Jigoro Kano, war damit nicht einverstanden, denn dieser wollte ein sportliches Jiu-Jitsu verbreiten, dass man später Judo nennen sollte. So brach Maeda mit der Kodokan und gemeinsam mit Shinshiro Satake und anderen Vertretern der Kodokan reiste man in die Welt hinaus um Vorführungen zu geben und Herausforderungen auszusprechen“, beleuchtet Rildo den Fall. Die Geschichte um die Herausforderungen Maedas in der Welt veranlasste einen bekannten japanischen Zeichner, 1996 Dutzende von Büchern im Stile „Comiczeitschriften der Superhelden“ herauszugeben, wo die Tausend Kämpfe des Grafen Koma erzählt werden. Auf jeder Überschrift liest man: „Graf Koma der Vorläufer des Gracie Jiu-Jitsu“. 1906, nachdem er einige Kämpfe in den USA gemacht hatte, kam Koma nach Mexico, wo er laut Rildo den Spitznamen Graf Koma erlangte. „Das war ein Spass. Graf, weil er sehr viel Klasse und Anstand hatte, mit edlen Gesten und so weiter, und Koma wegen seines unglaublich schlechten finanziellen Standes („komaru“ bedeutet auf japanisch „in Schwierigkeiten sein“), erklärt der Forscher. Bevor er über Porto Alegre nach Brasilien kam, durchliefen Koma und Satake Guatemala, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und Peru, wo der dritte Japaner, Lacu, hinzukam. In Chile nahm Maeda den Japaner Okura auf und später Shimitsu, der das Quintett in Argentinien vollständig machte. Am 14. November 1914, nachdem man durch Uruguay gereist war, kam Koma in Porto Alegre an, reiste durch verschiedene Staaten bis er nach Manaus gelangte, am 18. Dezember 1915. Gracie und Koma: Treffen im Zirkus Eine weitere Kuriosität die Rildo entdeckte, bezieht sich auf die ersten Treffen von Koma und Gastào in Belem. „Ich habe Erzählungen gefunden in denen gesagt wird, dass Gastào Gracie der Unternehmer des „American Zirkus“ seines Freundes Henrique Melo war. Der Zirkus war im Palace Teatre, auf dem Platz der Republick (wo heutzutage das Hilton Hotel zu finden ist). Dort lernten sich Koma und Gastào kennen“, bestätigt Rildo und erzählt über die Details seiner Sichtungen in den alten Zeitungen der öffentlichen Bibliothek in Belem. Koma lernte Gastào kennen, weil er den Kämpfer des American Zirkus, Alfredo Leconte, herausgefordert hatte, der damals der Herkules (Hauptkämpfer) war. Später wurden beide Freunde. Was ich über den Japaner Satake (der Graf Koma und Gastào kennen lernte) herausfand sagt mir, dass Carlos Gracie Jiu-Jitsu in der Akademie erlernte, die Koma 1916 eröffnete, in den Sälen des modernen Theaters, neben der Kirche (heute ist dort ein offener Platz)“, erzählt Rildo, der verschiedene Ausschnitte fand, welche die Akademie ankündigten. Þr Unterricht wurde in allen Zeitungen angepriesen, für jeden der zahlend- lernen wollte“, und sagt, dass der erste Schüler von Koma der Hafenarbeiter Jacinto Ferro war. „Er kam vom Griechisch-Römisch und war der erste Brasilianer, der das Jiu-Jitsu erlernte. Er wurde Ausbilder von Koma und half ihm, Carlos Unterricht zu geben“, versichert er. Doch Rildos sind noch nicht zu Ende. In seinen unzähligen Besuchen in der Bibliothek von Manaus und Belem hat er entdeckt, dass die Schüler von Koma auch eigene Akademie öffneten, wo sie anderen Brasilianern Unterricht gaben. „Satake beispielsweise, eröffnete im Januar 1916 eine Akademie. Luis Franca, der Meister Fadda (der wiederum das Jiu-Jitsu in den Vororten Rio de Janeiros verbreiten sollte) ausbildete, war sein Schüler und er bekam auch Unterricht von Koma“, versichert Rildo. Ein weiterer der von Satake in den Kampf eingeführt wurde, war Vinicius Ruas, ein Onkel von Marco Ruas, der dafür sorgte, dass sein Neffe in die Welt der Kampfkünste gelangte. Auch mit 82 Jahren noch erfüllt Vinicius (7. Dan Judo, 82 Jahre alt) eine Aufgabe im Judoverband von Rio de Janeiro. Auch Laku gab Unterricht, im Judo, und zwar im Bankclub Brasiliens und danach in der Zentrale des Nationalen Fussballclubs, bis zu Kriegsbeginn 1940, und danach nach Peru zu gehen. Shimitsu und Okura blieben und gaben Unterricht in der Akademie von Koma, in Belem, bis sie 1920 nach Japan zurückkehrten. Nachdem die Kautschukzeit zu Ende war, kehrte auch Koma nach Japan zurück und schloss friede mit Jigoro Kano, durch den er den 7. Dan erhielt und sein Judo verbreitete. 1924 kehrt Koma nach Belem zurück und Unterrichtete Kindern das Judo. Im selben Jahr Heiratet er May Iris. Obwohl er sich über die Explosivität seiner Nachforschungen bewusst ist, war es doch sein Hauptaugenmerk, die Details der Ankunft des Jiu-Jitsu nach Brasilien zu ergründen. „Meine Nachforschungen beschäftigen sich mit der Ankunft des Jiu-Jitsu hier in Brasilien, wie kam es hier her und wer war Graf Koma. Ich will hierkeine Streitereien vom Zaun brechen“, der daran denkt, sein Buch noch vor Jahresende auf den Markt bringen zu können. ![]() Maeda Schritt für Schritt 1905 Maeda überwirft sich mit Jigoro Kano und verlässt die Kodokan, 1906-1913 Maeda kämpft in den USA ind gelangt über Mittelamerika nach Uruguay, 1914 Maeda und seine Mannschaft gelangen über Porto Alegre nach Brasilien, 1915 Maeda kommt nach Belem (Oktober) und nach Manaus (Dezember). 1916 Maeda führt einen Stundenplan ein, um in den Sälen des Kinotheaters von Belem Jiu-Jitsu zu geben. Im selben Jahr lernt er Gastào kennen und beginnt dessen Carlos zu unterrichten. 1920-1923 Maeda kehrt nach Japan zurück und schliesst friede mit Jigoro Kano, dieser verleiht ihm den 7. Dan zum Unterrichten des Judo. 1924 Kurz nach seiner Ankunft in Belem lernt er May Iris kennen, die er heiratet. 1931 Takeo Yano gelangt in den Staat Amazonas und beginnt gemeinsam mit Graf Koma zu unterrichten. 1932 Maeda nimmt die Brasilianische Staatsbürgerschaft an und nimmt den Namen Octavio Mitsuyo Maeda an. 1941 Graf Koma stirbt in Belem an Nierenversagen. |